Das sind wir!



Wir stottern - aber nur, wenn wir sprechen! Das macht unsere Behinderung zu einem leicht zu lösenden Problem: Man braucht nur den Mund zu halten! Klick ... schon ist man ein normaler Mensch! So einfach ist das!!!

"Lieber schweigen statt stottern!" Diese Lösungsmöglichkeit haben viele von uns irgendwann entdeckt. Doch auch als "schweigender Mensch" hat man es nicht leicht: in der Schule gibt es schlechte Noten wegen fehlender Beteiligung am Unterricht, bei Bewerbungsgesprächen wird man als ungeeignet aussortiert und auch die Partnersuche ist ein Problem, wenn der Mund verschlossen bleibt...

In Deutschland gibt es etwa 800.000 Menschen, die stottern. Viele von ihnen fühlen sich minderwertig. Sie schämen sich für die Art, wie sie sprechen. Oft ist ihnen schon als Kind die Sprechfreude abhanden gekommen. Sie ziehen sich mehr und mehr zurück, haben Angst vor bestimmten Sprechsituationen und können mit niemandem über ihr Problem ernsthaft reden. Sie fühlen sich allein in einer Welt von Normalsprechenden.

Das muss nicht so bleiben! In Deutschland gibt es 70 Stotterer-Selbsthilfegruppen, eine der erfolgreichsten davon ist die Gruppe in Bielefeld. Wir treffen uns alle 14 Tage montags von 19.30 - ca. 21.30 Uhr in der Bürgerwache in Bielefeld (Rolandstraße). Was wir an unseren Gruppenabenden machen? Das Wichtigste ist: Wir sprechen!

In unserer Gruppe, die sich auch gerne als "Freundeskreis stotternder Menschen" bezeichnet, fällt das Sprechen leichter als anderswo, denn bei uns ist das Stottern die Normalsprache. Wir hören uns gegenseitig mit großer Aufmerksamkeit zu. Jeder kann in Ruhe ausreden, egal wie lange er braucht. Der Inhalt zählt, nicht das Wie!
Es tut gut zu erleben, dass man nicht der Einzige ist, der stottert. Den anderen geht es ähnlich wie mir. Auch sie vermeiden schwere Sprechsituationen, tauschen Wörter aus oder greifen zu sonstigen Tricks. Man stellt fest: "Ich bin gar nicht so seltsam, wie ich dachte!"

Was passiert noch bei uns in der Selbsthilfegruppe? Wir helfen uns selbst! Wir haben gemerkt, dass wir nicht nur Erfahrungen austauschen und gesellige Treffen organisieren können. Wir können das Heft selbst in die Hand nehmen und uns zu Experten in eigener Sache machen! Regelmäßig üben wir Sprech- oder Modifikationstechniken, um fließender sprechen zu können. Wir führen auch Rollenspiele durch, damit wir in für uns schwierigen Situationen besser klar kommen. Gemeinsam werden wir selbstbewusster! Viele von uns verfügen über Therapie-Erfahrungen und bringen diese in die Gruppe ein. Fast an jedem Gruppenabend sammeln wir Erfolgserlebnisse und tanken auf diese Weise neuen Mut für den Alltag. Wir erleben immer wieder, dass wir unser Sprechen positiv beeinflussen können. So werden wir sicherer, fühlen uns nicht mehr so hilflos wie früher. Das Sprechen macht uns wieder Spaß - Noch nicht immer, aber immer öfter!

(Autor: SHG MS)